Mittwoch, 17. Mai 2017

Marleen...

...meldet sich zu Wort und mir bleibt nur die Ehre ihre Worte mit Fotos zu unterstreichen:
 
Hallo Leute!
Auch ich (Marlene) meld mich mal zu Wort. Die Zeit in Nicaragua läuft nur so vorbei. Die letzte Woche haben wir auf 1500 m in Miraflor, einem Bioreservat nördlich von Estelì, verbracht. Und zwar auf der Kaffee-Finca von Adolfo und Martha Velasquez. Dieses Gebiet ist so abgeschieden, dass es natürlich kein Internet gibt, Strom auch nur mit einer kleinen Solarzelle, kein fließendes Wasser (geduscht wurde deswegen mit Kübel aus dem Brunnen) und natürlich gibt`s auch nur ein Plumsklo. Herrliche Bedingungen also – pures nicaraguanisches Bauernleben.
Haben unter Wellblechdach auf einfachen Holzbetten geschlafen, jeden Tag gab es Gallo Pinto (Reis mit Bohnen), Tostones (frittierte Kochbananen) und Tortillas zum Frühstück und zum Abendessen. Schweinchen, Hendln, ein Pferd, Hunde und Katzen leben dort genauso friedlich nebeneinander wie wir mit Martha, Adolfo, deren Tochter Francis und derer Tochter Nicole. Nicole (2 Jahre alt) nannte uns bereits seit dem 2. Tag „tìo“ und „tìa“ (= Onkel und Tante). Und so sind wir auch aufgenommen worden. Wie Familie. Der Plan am Anfang der Woche war, neue Kaffeepflänzchen zu pflanzen und eine Terrasse hinter der Finca anzulegen. Geschafft haben wir nur die Erde vorzubereiten und eine Zeile der geplanten 4 oder 5 Zeilen der Terrasse.
Das lag vor allem daran, dass Adolfo uns viel lieber das schöne Land und seine lieben Nachbarn zeigen wollte als zu arbeiten. Verständlich. Es ist auch ein wunderschönes Land und er hat auch wirklich viele liebe Nachbarn. Außerdem wurde sowieso nur ein paar Stunden am Vormittag gearbeitet und dann mal bis zum Abendessen oder bis wer zu Besuch kam, Siesta gehalten.
So sind wir in Genuss eines Ausrittes mit seinem Pferd, das seines Bruders und das seines Nachbarns gekommen, der uns zu indigenen Höhlen und natürlich vorbei an den benachbarten Fincas, bei denen wir jedes mal eine Tratschpause eingelegt haben, führte. Der Ausritt war waaaahnsinnig geil. Mein Pferd (Asavache – Pferd von Adolfo) steht gemeinsam mit dem seines Bruders (eine schwarze schöne Stute Namens Mondana von Christian geritten) auf einer Weide hinter der Finca und wurden schon länger nicht mehr geritten. Die zwei hatten beschlossen den Ausritt zu einem internen Wettbewerb um die Vorherrschaft des Schnellsten zu machen. Christians Stute hat ihren Titel verteidigt. Jedes mal wenn ich mit Asavache nur eine Nasenspitze vor ihr war, wurde ein Rennen daraus. Beim Galopp Sprint ging leider Asavache sehr schnell die Puste aus. Das hinderte ihn aber nicht daran es des Öfteren zu probieren, zumindest dann wenn ich ihn mal nicht zurückgehalten habe. Adolfo kam immer nur lächelnd hinter her mit dem Satz: „los gusta correr“ – „Es gefällt ihnen zu laufen“. An den anderen Tagen wurden wir bei den Nachbarsgängen in die komplette Kaffeeproduktion und Verkaufsproblematik eingeweiht.
Eine Abwechslung in der strikten Kohlehydrat-und-jede-Menge-frittierten-Kochbananen (ganze Woche vegetarisch!)-Diät hat es am Samstag gegeben. Nationalgericht: Nacatamales wurde gekocht. Nein, hat nichts mit nackten Leuten zu tun – eher mit einem nacktn Hendl. Jedenfalls eine Arbeit die einen ganzen Tag forderte. In der früh wurde ein Hendl geopfert (verkehrt an einem Baum gebunden, Hals durch und ausgeblutet), gerupft und natürlich (bis auf Schnabel, Darm und Zehennägel) alles zerkleinert. ALLES. Ja, auch die Füße waren dabei. Während man eine Hühnersuppe mit Gemüse und Minze angesetzt und stundenlang gekocht hat, wurde Mais, Zwiebel und ein unbekanntes rotes Gewürz zweimal durch die manuell betriebene Mühle gerieben. Die Männer des Hauses – also Adolfo und Christian – haben sich bewaffnet mit einer Machete auf die Jagd nach Bananenblätter und Bananenbaumrinde gemacht. Die Jagd dauerte nicht lange – die Bäume stehen natürlich überall auf der Finca herum. Die Blätter wurden zurechtgerissen und weichgekocht. Nach dem auch Reis gekocht und Kartoffel geschält wurden, sowie mit der Hühnersuppe (ohne den Fleischteilen) und dem Mais ein dicker Brei gekocht wurde, ist die Vorbereitung mal kurz unterbrochen worden. Der örtliche Pfarrer kam zu Besuch (hatte aber glaube ich nichts mit dem Gericht zu tun – aber wer weiß).
Nachdem dann der Segen fürs Haus gesichert war, ging`s weiter mit Packerl machen. Eine Ladung Maisbrei, ein Stück Hendl, ein paar Kartoffel und ein bissl Reis wurde auf ein paar Bananenblätter angerichtet und mit der Rinde verpackt und zusammengebunden. Dann 2 Stunden in Wasser gekocht. Es war also wie bei den Zuckerln beim Harry Potter, immer eine Überraschung welchen Geschmack das Packerl hatte. Die einen schmeckten nach Leber, die anderen nach Fleisch, wieder andere hatten quasi nur Fett (zB der Bobsch vom Hendl-übrigens Marthas Lieblingsstück) oder nach Füße. Da ich natürlich als fleißige Hausfrau beim Kochen geholfen habe und mir meine Höflichkeit es verbietet was abzuschlagen, hab ich während der Vorbereitungen natürlich die besten Stücke probieren dürfen. D.h. die frische Leber und die „Tomate“ – eines der unfertigen Eier vom inneren des Hendls. Super. Christian war dann kurz mal weg. (Wer Christian besser kennt, weiß, er hat einen Saumagen, der wirklich viel verträgt, aber wenn es um die wirklich wilden Sachen geht, is er dann eher a bissl a Prinzessin, also von wegen „outdoor-surviver“…hihihi)
Im Hause Velasquez gibt es an Sonntagen eine strenge Teilung – Martha sorgt für den Haussegen beim 3 Stunden Gottesdienst in der evangelischen Kirche des Dorfes und Adolfo ist den ganzen Tag auf dem Baseballplatz. Er ist nämlich der Coach der hiesigen Mannschaft. Baseball ist hier mindestens genauso wichtig wie Kirche (wenn nicht sogar wichtiger). Die kleine Gemeinde Miraflor hat zumindest 3 Mannschaften. D.h. wirklich ALLE spielen Baseball – recht viel mehr Leute gibt es hier nämlich nicht. Gespielt wurde auf einer Lichtung in einem Wald hinter der Kirche und es ging wirklich ordentlich zur Sache.
Die drückende Hitze wurde fast jeden Abend dann mit einem ordentliches Gewitter mit viel Regen abgelöscht. Hat sich unterm Wellblechdach wie ein Monsun gehört.
Herrlich.
Bis bald meine Lieben!
P.S. Uns freut`s voi wenn wir von euch hören/ lesen – per mail, what´s app oder blog!

5 Kommentare:

  1. servas Marlene!! zur Abwechslung schreibst du mal, und genau so lustig, und echt und ausführlich. ev. die Zukunft? bloggen!!! crisu darüber wie man seinen Body jung hält und du über kuchen? backen? oder so..........von jedem ort der welt möglich!! hehehehehe.
    so nun zu deinem beitrag. köstlich!! einfach köstlich!! nicht nur deine Schreibweise eben, auch die Leckereien, obwohl zuletzt "nur" vegetarisch! herrlich, freu mich schon auf genau das! aber auch auf fleisch oder fisch zur Abwechslung. sind ja alles "fröhliche" Tiere - oder? wobei ob das süsse kleine schwein weiss dass es essen ist (nicht isst) bzw. wird!?! naja, das huhn hats ja schon hinter sich. apropo huhn: soo kleine können haxln oder was immer gar nicht geschnitten sein, dass es schmeckt - oder . ist ja schon ein apfelgehäusebröserl grund genug, nie wieder Apfelstrudel essen zu wollen. iiiiiiiiiiiiiiiiiii.
    die Gelegenheit bei und mit euren neuen "freunden" zu leben, für kurze zeit, auch so zu leben wie die, inkl. Feldarbeit und allen Gegebenheiten find ich grossartig, gut gemacht. wobei ihr 2 seid ja schon wirklich sehr sympathische. wie schon erwähnt, hatten hier alle profitiert und so wie geschildert, war euer bert sicher saustolz, auch zu zeigen was, wer ...und wo, dadurch hatte er irgendwie ja ein bissl Auszeit, und die Felder wurden ja nur bruchteilhaft bestellt! dank euch! hahaha.

    also danke nochmal für die netten Geschichten, voi fui spass noch, und Abenteuer und Erlebnisse und und und.

    bei uns geht's heute noch nach grünau im almtal, obwohl für das ganze wo-ende 90% regenwahrscheinlichkeit angesagt ist, zur Abwechslung und mind. 10 grad kälter! ABER: die Devise heisst, außi! oiso!

    dickes Bussi jedenfalls!!
    michi
    na, Gelegenheiten gehören genutzt! ein gutes Motto, ob mir das vor ort noch in Erinnerung ist!? :-)




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  2. Wie seid ihr denn zu der Familie gekommen? Habt ihr einfach an deren tür geklopft? Hmmm ... sehr spannend!
    Bussi an euch Abenteurer!
    Babsi

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  3. Ich träume nur vor mich hin! Wahnsinn ihr Zwei - ihr habt echt eine "geile" Zeit! Danke für die tollen Berichte!!! Bussl Babi

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  4. Sehr beeindruckend, Eure Erlebnisse, selbst nur davon zu lesen ist schon faszinierend! Wie muss es erst sein das alles selbst zu erleben... ich liebe euren Blog, so spannend und kurzweilig zu lesen! Bitte haltet uns weiter am Laufenden ...
    Alles Liebe & gute Reise, Johannes

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  5. HALLO ihr weltenbummerl ah bummler :-)))))) ich und mims waren jetzt in rom - auch nicht schlecht_ war wunderschön.
    hab mit entsetzen gelesen dass in bogota columbien eine bombe explodiert ist ! aufpassen!
    mimis fantsie geht schon wieder mit ihr durch - flieger,regenfälle,höhe................., is a theater :-))
    wir lassen jetzt das nachtmahl zuhause aus und sind abends unterwegs damit wir den sommer nicht verpassen - YES
    putzen und solche sachen können wir auch später noch machen!!
    and so - ich hoffe ihr habt ein ruhiges meer - damit crisi nicht die fische füttern muss - hihih bussi seeyou soon

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