Montag, 24. Juli 2017

Kolumbien...

...for real! Marleen hat wieder die Ehre:
 
Das war Kolumbien
Hallo ihr Lieben!
Kann Christian nur beipflichten und die letzten Wochen in Kolumbien haben uns nur darin bestätigt – die Leute sind einfach super nett hier!! Zudem kommt dazu, dass Kolumbien einfach atemberaubend schöne Landschaft zu bieten hat. Wir sind schon allein bei unseren zahlreichen Busfahrten an der Fensterscheibe gepickt und haben nur so gestaunt in welchen Bergschluchten, Serpentienenkurven und Höhenstraßen sich die Busse durchquetschen. Außerdem gibt`s hier riesige Canyons, dichten Dschungel, schwitzige Nebenwälder, heiße Wüsten und natürlich die Andenberge… aber eins nach dem andern.
 
Nach Cartagena haben wir uns einer Tour angeschlossen um die Ciudad Perdida (die verlorene Stadt – eine alte “Inka”Stätte) im Tayrona Nationalpark ganz im Norden Kolumbiens zu besuchen. Ja… Tour… schas… aber ging nicht anders – muaß ma nehma. Aber wir wurden sehr positiv überrascht. Für den 4 Tage Trek durch den Dschungel hatten wir einen “spiritual” guide und einen Übersetzer... und wir… das waren ein bunter Haufen junger traveller… aus Schweiz, Mexiko, Japan, Deutschland (natürlich – de deitschn san überoi) und ganz nette Leute aus Bogotà. Melkis (der spiritual guide) hat uns über die Geschichte der Stadt und über die noch immer sehr traditionell dort lebenden Indigenen – die Wiwis und Kougis – mit sehr interessanten Infos versorgt. Die Indianer (darf man ned sagen) Indigenen (!) haben wir mit ihren weißen Gwand, langen schwarzen Haaren, Poporros (das ist ein Kürbis mit Kokaspucke drin) und umgehängten Säcken mit Kokablätter drin auf unserem Weg öfters getroffen. Als wir endlich die 45 km durch den Dschungel und 1200 Stufen in die verlorene Stadt hinauf geschafft haben, machte sich ein gewisses “Indiana Jones” feeling breit. Natürlich sind die ganzen Goldschätze vor nicht allzu langer Zeit (nämlich in den 1970er – die Spanier haben die Stadt nämlich nie gefunden) geplündert worden bzw. befinden sich im Goldmusem in Bogotà – das wir natürlich auch auf unserer Liste haben. Während dem Trek – und vor allem wenn man gemeinsam durch Regen und Gatsch und unendliche Schweißflüße schlägt – wächst man zusammen und lernt sich in einer ganz anderen Situation kennen. So geschehen mit den 3 BogotanerInnen, mit denen wir uns in Bogotà auch nochmal getroffen haben und noch immer schreiben, weil sie uns ständig Tipps für jede Stadt geben. Also insgesamt war das Erlebnis “literweise verlorener Schweiß auf dem Weg in der verlorenen Stadt” echt super!
 
Nach dem Trek gings in die Abenteuer Stadt San Gil. Aus dem Überangebot an Action-Sportarten haben wir uns für Downhill-Mountainbiken im Chicamocha Canyon und für eine Wasserhöhlen Führung entschieden. Beides toll!! Besonders die Mountainbike Tour. Muss sagen, hab mich vom Schwierigkeitsgrad echt selbst übertroffen… hab nur 2x absteigen müssen und 1x davon war wegen einem entgegenkommenden Esel auf einem engen Bergpfad. So ein Fully is scho supa 😊 (mal schaun wie lang das dauert mit Video anhängen – haben echt coole GoPro Videos vom Biken) Hatten auch einen supernetten Guide (Pablo) der ursprünglich aus Ecuador stammt, und uns dafür auch gleich viele Tipps gegeben hat und noch immer mit Christian schreibt. Zum Action-Ausgleich haben wir in die anliegenden kolonialen Dörfer nette Wanderausflüge gemacht und die hier traditionelle Speise (Hormiga culonas – Ameise mit dicken Bobsch – siehe Video) gesnackt.
Ein nächstes Highlight auf unserer Liste war der Nationalpark El Cocuy. Naiv wie wir waren glaubten wir, dass ma für ca. 200 km dort hin ja e nicht so lange brauchen kann. Doch in der beginnenden Andenregion schaut das ganze ein bisschen anders aus. Insgesamt 9 Stunden brauchten wir in den Ausgangsort für unsere zwei Wanderungen hinauf auf 4800 Höhenmeter. Der Park war aufgrund von Streitigkeiten mit den Indigenen und einheimischen Bauern ein paar Jahre gesperrt und erst seit April wieder für Touristen offen. Man muss jedoch einen Guide nehmen. In unserem Fall war das Josè. Er hat uns bei der Ankunft in El Cocuy gleich angequatscht und als wir gesagt haben, dass wir aus Österreich sind, auch gleich jede Menge berühmter Bergsteiger genannt mit denen er schon unterwegs war. Haben mit ihm die nächsten Tage geplant – 3-Tages-Tour, 2 Wanderungen auf 4600 m und 4800 m und ein Ruhetag auf 4000 m. Die erste Nacht haben wir in seiner WG verbracht. Die WG bestand aus dem sehr alternativen Park-Office Ranger, ihm und einem kleinen Garten mit verschiedenen Gemüse und Hanfpflanzen drin. Die Wanderung auf El Pùlpito del Diablo war super, auch wenn der Teufel (= Diablo) auf seiner Kanzel (=Pùlpito) grad am tanzen war und deshalb ganz oben dann schas Neben, Regen und Schnee war (quasi Teufels-Dampfbad). Nach dem Abstieg ist dann die Sonne rausgekommen und auf ca. 4000 m brennt diese auch ziemlich runter, so war alles dann auch schnell wieder zumindest halbwegs trocken. Der Ruhetag auf 4000 m ohne Heizung und 3 traditionellen Mahlzeiten (d.h. Kartoffel-Ei Suppe und Fleisch, Reis, Kartoffeln – zum Frühstück, Mittag und Abendessen) war zu zweit unter 8 dünnen Decken auch super kuschelig. Richtiges Bergleben. Die zweite Wanderung zur Laguna Grande – einem Gletschersee, war auch sehr beeindruckend. Insgesamt waren die Tage in El Cocuy ein wirkliches Hightlight – was auch vielleicht am ständigen Hanfrauch von Josè (er hat sich bei jeder Pause einen angezunden) und/ oder an der Höhenluft gelegen haben mag.
Dann gings direkt in die 8 Millionen Einwohner Hauptstadt von Kolumbien – Bogotà. Da wir an einem Sonntag angekommen sind war`s mit dem extremen Unterschied gar nicht so schlimm. Auch eine Großstadt wirkt irgendwie verschlafen an einem Sonntag. Was aber sehr beeindruckend war, ist dass Bogotà DIE Fahrradstadt schlecht hin ist. Hab noch nie so viele Fahrradfahrer in der Stadt gesehen und an einem Sonntag werden auch Teile der Stadtautobahn und einem großen Teil der Hauptstraße der Innenstadt für Fahrräder gesperrt. Mit der zeitgleich laufendenden Tour de France die überall auf den öffentlichen Bildschirmen gelaufen ist war das Fahrraderlebnis hier noch mal spezieller – Christian ist aus dem Fahrradschaun nicht mehr rausgekommen (… solangs Fahrräder sind die er nach schaut passt das scho 😊) In der Innenstadt hat sich eben die Straße zu einem riesigen Fußgänger/ Fahrräder zone mit jeder Menge Straßenkünstler verwandelt. Super. In Bogotà haben wir jede Menge insider Tipps gehabt, deshalb haben wir hauptsächlich gefuttert. Spezialitäten wie heiße Schokolade mit Käse (chocolate santafereno) und dünne Waffeln mit Karamell, Marmelade, Nüssen und (natürlich) Käse (obledas). Ja, die Kolumbianer haben irgend eine komische Beziehung mit Käse. Es gibt eigentlich nur so einen Gauda artigen Käse und einen ganz milden Kuhkäse, der ausschaut wie Schafkäse. Und wenn man dann in der Bäckerei fragt ob das Weckerl mit Käse drin süß oder salzig ist, wird schon geantwortet salzig. Das Weckerl ist aber so was wie ein Brioche und der Käse natürlich salzig. Und genau der kommt auch in den Kakao… sehr komisch… jedem das seine. Bogotà hat uns sehr positiv überrascht – was natürlich auch wieder an den super netten Menschen (sogar in dieser riesigen Stadt) liegt.
Der nächste Stopp ging wieder in die Natur. Auf halber Strecke zwischen Bogotà und Medellin liegt der Rio Claro – und ja, er ist klar – schimmert sogar blaugrün. Was aber an den Mamorgestein, dass hier abgebaut wird liegt. Jedenfalls frisst der sich sehr hübsch in dieses Gestein und formt Höhlen mit nachtaktiven Vögeln drin und beeindruckende überhängende Felswände in die Felsen. Wir haben unser Zelt am dortigen Campingplatz aufgeschlagen und gleich mal eine 2 stündige Rafting Tour gecheckt. Also “Rafting” – war ein gemütlicher Plantschausflug mit Infos über die Natur usw. auch nett. Die 3 stündige Höhlenführung entpuppte sich dann auch als 1 stündige Wanderung durch den dortigen Dschungel (also nach herrlichen Graden um Null in El Cocuy wieder grauslig schwitzen) und dann eine ¾ stündige Wanderung inkl. Schwimmen in Vogelkacke getrübtes Wasser. Mit einer halben Stunde später anfangen und früher aufhören kommt man dann auf kolumbianische 3 Stunden.
è Kleine Nebenbemerkung – das kommt nur hier ein bisschen genervt rüber, weil die Zeitangaben – vor allem bei den Busfahrten wo`s dann einfach wirklich nervig ist wenn du statt genannten 5 Stunden 8 Stunden unterwegs bist – einfach NIE stimmen. Aber wir haben grundsätzlich keinen Stress und somit kein Problem damit. Und bei diesem tollen Land mit diesen tollen Leuten ist das auch verkraftbar.
Am Abend haben wir vor unserem Zelt sogar ein Lagerfeuer gemacht und Arepas (Maisfladen) gegrillt. Herrliches Outdoorleben.
 
Nach Natur geht`s auch gleich wieder in die nächste Großstadt – Medellin. DIE Drogenhauptstadt der 70er bis zum Tod 1993 des größten Drogenbosses Pablo Escobar. Seitdem hat sich die Stadt sehr herausgeputzt. Mit der einzigen U-Bahn des Landes und einer Seilbahn über die Berge in ein schönes anliegendes Waldgebiet, hat sich die einst gefürchtete Gangsterstadt sehr gemausert. Wir spazieren durch die schönen Parks, die mit Statuen von Botero und Marktständen geschmückt sind. Beobachten das Stadttreiben und sind immer wieder erstaunt über das Angebot an tollen frischen und unbekannten Früchten hier. Mein Favourit bis jetzt Lulo. Eine sehr säurehaltige Frucht, die mit ein bisschen Wasser und Zucker gemixt wird und super erfrischend schmeckt. Generell kann man in den Buden und Restaurants fast jede Frucht entweder mit Wasser und Milch gemixt trinken. Und das trinkt man auch hier gewöhnlich. Zu jedem Almuerzo (Mittagsgericht) gibt es Säfte zu einer sehr sättigenden Suppe und einem Fleischgericht mit jeder Menge verschiedenen Kohlehydrat-Beilagen – also Reis, Kartoffel, Bohnen oder Linsen – alles auf einen Teller um insgesamt nur ca. 5 $. Kolumbien ist generell sehr leistbar was uns natürlich auch sehr entgegenkommt. Bevor wir uns wieder in einen Nachtbus in die nächsten Bergregion setzten, haben wir auch noch ein paar “Pablo Escobar Stationen” besucht. Also das Haus, auf dessen Dach er erschossen wurde usw. Aber man hat eher das Gefühl, die Stadt will diesen Teil ihrer Geschichte eher vergessen – daher war das eher unspektakulär. Verständlich. (Tipp: wer Netflix schaut: “Narcos” ist die Serienverfilmung vom Aufstieg bis zum Tod von Pablo Escobar – haben`s ja schon vor der Reise geschaut und jetzt is es noch viel cooler, weil wir schon mehr spanisch verstehen und die Orte kennen)
Eine netten Zwischenstopp in den Dschungel inkl. Kolibristation und einer seltenen Art an riesig hohen Palmen, sowie der Sonntäglichen Prozession, haben wir dann in Salento und im Valle Cocoa gemacht. Die Gegend hier wird von unserem Reiseführer als die Schweiz Kolumbiens beschrieben – also wegen den Bergen – was auch stimmt – wenn nicht diese hohen sehr alleinstehenden Palmen wären (siehe Fotos). Hier in diesem Bergdorf mit angnehmen Temperaturen ist die Spezialität Forelle und alles was geht in Rahmsauce einweign. Nennt sich dann “gratinado”. Ein bisschen verwirrend wenn man ein Sandwich “gratinado” bestellt und dann in Rahmsauce aufgeweigt serviert bekommt. So wird auch die Forelle serviert – was aber im Gegensatz zum Sandwich sehr köstlich war. Wir verbringen angenehm kühle Nächte hier und sind beeindruckt von dem kulinarischen Angebot am Marktplatz und in den verschiedenen Cafès und natürlich den der wunderschönen Berglandschaft.
Der Nachtbus von hier zur nächsten Station war dann nochmal eine eigenen Odyssee. Mit 1 h Verspätung steigen wir in den Bus und nach 30 min – Motorschaden. 2 ½ h (von 12 bis 2 in der früh) warten auf den neuen Bus. Nach einer weiteren 1 h fahren Unfall auf einer Passstraße – Blockabfertigung - 3 h in der Nacht im Bus warten. Was ja auf Grund des Stillstandes vom Bus ja nicht schlecht gewesen wäre zwecks schlafen (Bei so Bergpässen schiebts einen sonst e immer hin und her im Sessel). Aber die Busfahrer haben die blöde Angewohnheit die Klimaanlage auf voigas laufen zu lassen.  D.h. zwischen Motor aus und warten und den Bus anwerfen für ein paar Meter nach vor fahren sind 20 °C gelegen. Und mit Kleinkindern und Baby-Hunde an Board hat sich die Luft im Buss dann auch noch  mit Hundepisse und Babykacke gesättigt. Für die geplanten 6 h – 11 h gebraucht. Was für eine Fahrt.  
Nächste Station: Desierto (= Wüste) Tatacoa. Der letzte Stopp Richtung Süden nach Ecuador. Hier sieht es tatsächlich aus wie im wilden Westen – und da hat natürlich auch ein ordentlicher Cowboy Ausritt dazugehört (siehe Fotos). Ich muss sagen – für das, dass Christian nur ein paar Stunden Reitunterricht in Wien hatte, reitet er wirklich gut! Nur das “aussitzen” beim Trab im Westersattel haut noch nicht so ganz hin :) dafür galoppiert er wie ein richtiger Cowboy. Zum Reitausflug noch eine nette Geschichte. Da wir anscheinend ein bisschen spät dran waren und nur mehr 3 Pferde und die Frau des Besitzers und ihr ca. 1-jähriger Sohn da waren, hat sie uns die Pferde gesattelt und ist mit ihrem Sohn das erste Stück mitgeritten – bis der kleiner eingeschlafen war – und dann hat sie uns allein auf den (nicht markierten) Pfad geschickt. Also waren wir allein in der trockenen Wüste mit zwei Pferden unterwegs – saugeil. Glücklicherweise sind uns dann bei einer Abzweigung Reiter entgegen gekommen und der Guide der Gruppe war auch der Besitzer der Pferde. So haben wir uns dann noch auf  ein paar super Galoppstrecken Rennen geliefert. Sehr cool!
Mit einem bissl aufgewetzten Hintern (zumindest bei Christian) gings dann auch wieder in den Nachtbus. Und wahrscheinlich weil wir geglaubt haben nach der letzten Busfahrt kann uns nichts mehr umhaun is es dann auch noch schlimmer geworden. Auf der geplanten 5-stündigen Fahrt Richtung Mocoa nahe der Grenze haben wir dann auch nochmal 10 h gebraucht – Warum? Ein Erdrutsch auf der engen Bergstraße. Das war aber auch noch nicht alles. Neben den Klimazonen, die wieder stündlich gewechselt haben, ist auch ein Hahn mit an Board gewesen. Durch die Bewegungen vom Bus war er eingeschüchtert und man hat nix von ihm mitbekommen, aber in den 3 h Stillstand (also von 3 bis 6 in der Früh) hat er natürlich den morgen im 30 s Takt begrüßt – wie das ein Hahn so macht. Unpackbar!!!
 
Die letzte 5 h Fahrt Richtung Grenze haben wir dann nicht mehr in der Nacht erledigt. Es war eine richtig hohe Schotter-Passstraße mit unglaublichen Blick über die Berge – man hat echt das Gefühl gehabt man ist über den Wolken.
Grenzübertritt nach Ecuador war dann bis auf 2 h Stunden in der Schlange stehen auch sehr unproblematisch.
Fazit: Kolumbien ist echt sehr zu empfehlen. Haben hier super nette Menschen getroffen, wahnsinnige Landschaft gesehen und coole Abenteuer (bis auf die Buserlebnisse) erlebt.
Nun bleibt mir nur eins: hoff euch geht`s allen gut! Wir freuen uns über jede Zeile, die ihr uns schreibt (whatsApp, e-mail oder eben gleich hier im Blog). Würden euch so gern über all die Erlebnisse, die hier im Blog zu kurz kommen erzählen! Aber der Beitrag is e scho wieder sehr lang und bin gespannt wer überhaupt sich das antut und alles liest 😊
 
Bussis aus Ecuador
Marlene und Christian
 
Und hier also die von Marleen versprochenen Fotos:
 


























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